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<title>Reflexvisier</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Reflexvisier</span></h1>
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<p>Ein <b>Reflexvisier</b> bzw. <i>Kollimatorvisier</i> ist ein <a href="Optik" title="Optik">optisches</a> <a href="Visier_(Waffe)" title="Visier (Waffe)">Visier</a> für <a href="Schusswaffe" title="Schusswaffe">Schusswaffen</a> und kleinere astronomische <a href="Fernrohr" title="Fernrohr">Fernrohre</a>. Die moderne Bauform wird als <i>Leuchtpunktvisier</i>, <i>Rotpunktvisier</i>, <i>Leuchtpunktzielgerät</i> oder nach dem Hersteller als <i>Red Dot</i> oder <i>Aimpoint</i> bezeichnet. Im Bereich der <a href="Astronomie" title="Astronomie">Astronomie</a> spricht man von Suchern.
</p><p>Die ersten modernen Leuchtpunktvisiere für Handfeuerwaffen stammen von dem <a href="Schweden" title="Schweden">schwedischen</a> Unternehmen <a href="Aimpoint" title="Aimpoint">Aimpoint</a>.
</p><p>Im Gegensatz zum <a href="Zielfernrohr" title="Zielfernrohr">Zielfernrohr</a> bietet ein Reflexvisier keine oder nur eine geringe Vergrößerung, ist dafür aber <i><a href="Parallaxe" title="Parallaxe">parallaxenfrei</a></i>. Das Ziel wird dabei, anders als beim Zielfernrohr, <i>mit beiden Augen erfasst</i>. Durch die Bauweise kann sowohl präzise als auch sehr schnell über kurze und (kürzere) mittlere Distanzen (100&nbsp;m bis 150&nbsp;m wie beim <a href="HK_G36" title="HK G36">G36</a>) ein Ziel im Schulteranschlag bei <a href="Langwaffe" title="Langwaffe">Langwaffen</a> anvisiert werden. Treffer bis in untere Langdistanzen sind abhängig von der gestreckten Geschossflugbahn möglich.
</p><p>Das Reflexvisier gibt im Unterschied zu einem Zielpunktprojektor keinen aktiven Lichtstrahl ab, der in Verbindung mit der Waffe zum Suchen, Zielen und schnellen Erfassen in der Dämmerung und bei Nacht, <i>zum treffsicheren Schießen aus dem Hüftanschlag</i> durch <i>Beleuchten des Ziels</i> dient.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Reflexvisiere eignen sich auch für das <a href="H%C3%A4userkampf_(Milit%C3%A4r)" title="Häuserkampf (Militär)">Gefecht im bebauten Raum</a> (<i>CQB</i>, „<a href="Close_Quarters_Battle" title="Close Quarters Battle">Close Quarters Battle</a>“).
</p><p>Frühe Systeme fanden sich bei den Bordwaffenvisieren der Jagdflugzeuge des <a href="Zweiter_Weltkrieg" title="Zweiter Weltkrieg">Zweiten Weltkriegs</a> und in den Ringvisieren der <a href="Flugabwehrkanone" title="Flugabwehrkanone">Flakwaffen</a>, die unter Nutzung des Effekts der <a href="Newtonsche_Ringe" title="Newtonsche Ringe">Newtonschen Ringe</a> konstruiert waren.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Prinzip">Prinzip</h2></div>

<p>Ein leuchtender Zielpunkt (oder auch ein anderes <a href="Absehen" title="Absehen">Absehen</a>) wird über einen halbdurchlässigen Spiegel in das Auge des Schützen reflektiert. Eine Linsenoptik (<a href="Kollimator" title="Kollimator">Kollimator</a>) sorgt dafür, dass dieses Absehen dem Schützen im Unendlichen (oder aber bei näher liegendem Ziel entsprechend näher fokussiert) erscheint. Der Schütze sieht also gleichzeitig durch den halbdurchlässigen Spiegel das Ziel und das über den Spiegel reflektierte Absehen. Da der Lichtstrahl des Absehens genau aus der Richtung der Visierlinie in das Auge fällt, erscheint das Absehen unabhängig von der relativen Position des Auges zur Visiereinrichtung immer am richtigen Ort.
</p><p>Grundsätzlich werden drei Arten unterschieden:
</p>
<ol><li>Das Absehen sowie die <a href="Kollimator" title="Kollimator">Kollimator</a>linse befinden sich im rechten Winkel zum Strahlengang des betrachteten Ziels. Die beiden Bilder werden über einen Strahlteiler bzw. eine Glasplatte gemischt. Diese Art benötigt viel Platz und wird vor allem in <a href="Head-up-Display" title="Head-up-Display">Head-up-Displays</a> von Flugzeugen verwendet.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></li>
<li>Eine kompaktere Art nutzt einen gekrümmten <a href="Dichroitischer_Spiegel" class="mw-redirect" title="Dichroitischer Spiegel">dichroitischen Spiegel</a>, welcher sowohl das Absehen fokussiert als auch die beiden Bilder mischt. Diese Art wird vielfach als Leuchtpunktvisier an Handfeuerwaffen verwendet.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></li>
<li>Bei dem Typ von L.E.W. van Albada liegt das Absehen zwischen dem Betrachter und dem gekrümmten Spiegel. Das Absehen selbst ist zu nahe um im Fokus des Betrachters zu sein, aber der gekrümmte Spiegel mischt die beiden Bilder in der Unendlichkeit. Diese Art wurde als <a href="Sucher_(Optik)" class="mw-redirect" title="Sucher (Optik)">Sucher</a> für Kameras, aber auch als Waffenvisier, beispielsweise bei der <a href="Bazooka" title="Bazooka">Bazooka</a>, verwendet.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></li></ol>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Vorteile_gegenüber_anderen_Visieren"><span id="Vorteile_gegen.C3.BCber_anderen_Visieren"></span>Vorteile gegenüber anderen Visieren</h2></div>

<ul><li>Das Ziel wird mit beiden Augen anvisiert – das <a href="Stereoskopisches_Sehen" title="Stereoskopisches Sehen">räumliche Sehen</a> und das volle <a href="Gesichtsfeld_(Wahrnehmung)" title="Gesichtsfeld (Wahrnehmung)">Gesichtsfeld</a> bleiben erhalten.</li>
<li>Die beim Visieren über <a href="Offene_Visierung" title="Offene Visierung">Kimme und Korn</a> üblichen <a href="Zielfehler_(Waffe)" title="Zielfehler (Waffe)">Zielfehler</a> <i>Feinkorn</i>, <i>Vollkorn</i> oder <i>geklemmtes Korn</i> gibt es beim Reflexvisier nicht.</li>
<li>Da der Zielpunkt mittels Optik ins Unendliche abgebildet wird, können die Augen Zielpunkt und Ziel gleichzeitig fokussieren. Das ist bei Kimme und Korn, die viel näher am Schützen liegen, nicht möglich, so dass immer entweder die Visiereinrichtung oder das Ziel leicht unscharf gesehen werden.</li>
<li>Der leuchtende Zielpunkt macht ein Visieren auch bei Dunkelheit möglich, solange das Ziel selbst noch sichtbar ist. Um durch den Leuchtpunkt selbst nicht geblendet zu werden, lässt sich dessen Helligkeit meist einstellen.</li>
<li>Im Gegensatz zu jeder Art von <a href="Zielbeleuchtung" title="Zielbeleuchtung">Zielbeleuchtung</a> (wie Laser oder an die Waffe montierte Lampe) ist ein Reflexvisier in Deutschland auch für das Jagd- und Sportschießen nach dem Waffenrecht zulässig. Das Ziel wird nicht wie bei den Zielbeleuchtungsverfahren darauf aufmerksam gemacht, dass es anvisiert wird.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Nachteile">Nachteile</h2></div>
<ul><li>Zieloptiken wie Reflexvisiere können bei plötzlichem starken Temperaturabfall oder versehentlichem Anhauchen bei niedrigen Temperaturen beschlagen; eine Ausnahme sind neuere Typen mit einer <a href="Lotoseffekt" title="Lotoseffekt">Lotoseffekt</a>-Beschichtung.</li>
<li>Sonnenlicht kann von der Linse des Reflexvisiers reflektiert werden und von Wild oder einem Gegner bemerkt werden; dies gilt allerdings auch für jede andere Form von optischen Zielhilfen. Als „Killflash“ vertriebene wabenartige Einsätze verhindern die Reflexion.</li>
<li>Die meisten Reflexvisiere benötigen eine zusätzliche Energiequelle für den Leuchtpunkt. Einzelne Modelle arbeiten mit Hilfe von Lichtleitern bei Tageslicht ohne zusätzliche Energiequelle oder verwenden die in manchen Staaten verbotenen <a href="Tritiumgaslichtquelle" title="Tritiumgaslichtquelle">Tritium-Lichtquellen</a>, die länger als zehn Jahre funktionieren.</li>
<li>Reflexvisiere tragen bei <a href="Kurzwaffe" title="Kurzwaffe">Faustfeuerwaffen</a> stark auf. Die Waffen lassen sich mit diesen Visieren nicht in den üblichen Holstern führen; bei Faustfeuerwaffen sind Laserprojektoren wegen der <a href="Deutschuss" title="Deutschuss">Deutschussfähigkeit</a> daher überlegen.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Montage">Montage</h2></div>
<p>Durch ihr geringes Gewicht lassen sie sich auf fast allen Handfeuerwaffen montieren. Montiert werden Reflexvisiere bei Schusswaffen normalerweise auf <a href="Picatinny-Schiene" title="Picatinny-Schiene">Picatinny-</a>, <a href="Weaver-Schiene" title="Weaver-Schiene">Weaver-</a>, 11-mm-Prismenschienen oder <a href="Suhler_Einhakmontage" title="Suhler Einhakmontage">Suhler Einhakmontagen</a>, die wiederum auf dem Waffenlauf befestigt sind. Eine Montage anstelle eines Zielfernrohrs ist meist möglich, in Verbindung mit einer Wechselmontage auch im Wechsel mit einem Zielfernrohr. Eine Montage mit einem Laser-Licht-Modul oder nur einem Weißlicht in gleicher Höhe ist möglich, jedoch nur für Behördenwaffen in Deutschland erlaubt. Die Montage eines LLM vorne führt zu einer Veränderung des Haltepunktes. Bei Pistolen werden sie auch auf Bridgemontagen befestigt, die dann allerdings eine Visierung über Kimme und Korn nicht mehr zulassen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Ableger">Ableger</h2></div>
<ul><li>Die weitgehend verschränkungs- und parallaxenfreien Reflexvisiere finden sich auch bei Messgeräten und Kameras (im <a href="Leuchtrahmensucher" title="Leuchtrahmensucher">Leuchtrahmensucher</a>) wieder.</li>
<li>Auf astronomischen <a href="Teleskop" title="Teleskop">Teleskopen</a> im Amateurbereich werden Zielvorrichtungen wie der <a href="Telrad-Sucher" title="Telrad-Sucher">Telrad-Sucher</a> verwendet.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Siehe_auch">Siehe auch</h2></div>
<ul><li><a href="Einschie%C3%9Fen_(Kalibrierung)" title="Einschießen (Kalibrierung)">Einschießen (Kalibrierung)</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><div class="noresize noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Commons"></span></span></div><b><span class=""><a class="external text" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Reflector_sights?uselang=de"><span lang="en">Commons</span>: Reflexvisiere</a></span></b>&nbsp;– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien</div>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Thomas Enke: <i>Grundlagen der Waffen- und Munitionstechnik.</i> Walhalla Fachverlag, 4., aktualisierte Auflage, Regensburg, 2023, ISBN 978-3-8029-6198-4, S. 222 f.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Heckler &amp; Koch HK Aim Point Projector brochure mp5 gun, HK Zielfernrohre für Handwaffen, Seite 37, 21. Februar 2006.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Francis B. Patrick: <i>Military Optical Instruments</i>. In: <i>Titel Optical Instruments, Teil 2</i>. Verlag Elsevier, 2012, ISBN 978-0-323-15223-5, S. 198 (<a rel="nofollow" class="external text" href="https://books.google.de/books?id=bhL58OhHkdsC&amp;pg=PA198#v=onepage">eingeschränkte Vorschau</a> in der Google-Buchsuche)</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">David Link: <i>How Do Reflex Sights And Holographic Sights Differ?</i>, 3. April 2015 <a rel="nofollow" class="external autonumber" href="https://blog.gritrsports.com/how-do-reflex-sights-and-holographic-sights-differ/">[1]</a></span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text">Norman Goldberg: <i>Camera Technology: The Dark Side of the Lens</i>. Verlag Academic Press, 1992, ISBN 978-0-08-050066-9, S. 302 (<a rel="nofollow" class="external text" href="https://books.google.de/books?id=g7NvF2jWcp8C&amp;pg=PA302#v=onepage">eingeschränkte Vorschau</a> in der Google-Buchsuche)</span>
</li>
<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text">Howard Grubb: <i>A New Collimating-telescope Gun-Sight For Large And Small Ordnance.</i> In: <i>The Scientific transactions of the <a href="Royal_Dublin_Society" title="Royal Dublin Society">Royal Dublin Society</a>.</i> Vol.&nbsp;VII, August 1901. S.&nbsp;321–330.</span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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